Ob Bild, Ton, USB und Steuerung direkt oder über ein Netzwerk übertragen werden, prägt den gesamten Aufbau einer AV-Installation. HDBaseT und AV over IP nutzen zwar häufig dieselbe strukturierte Verkabelung, unterscheiden sich aber grundlegend bei Signalführung, Flexibilität und Planung.
Von aussen ist der Unterschied nicht immer erkennbar: Sowohl HDBaseT als auch AV over IP können Cat-Kabel für die Übertragung nutzen. Bei HDBaseT führt jedoch eine fest definierte Verbindung von einem Sender zu einem bestimmten Empfänger. Bei AV over IP werden die Signale in Netzwerkdaten umgewandelt und den gewünschten Endpunkten über die Konfiguration zugeordnet.
Die passende Lösung richtet sich deshalb nicht allein nach der Distanz. Entscheidend ist, ob die Signalwege dauerhaft feststehen, wie viele Quellen und Ausgabegeräte verbunden werden und wie stark sich die Installation später verändern oder erweitern soll.
Bei HDBaseT wird das Signal über eine Cat-Leitung von einem Sender zu einem fest zugeordneten Empfänger übertragen. Je nach eingesetztem Gerät können Bild und Ton gemeinsam mit USB, Ethernet, Steuerungsbefehlen und teilweise der Stromversorgung geführt werden. Ein typisches Beispiel ist ein Anschlussplatz am Sitzungstisch, der mit der Technik beim Display verbunden wird. Der Signalweg bleibt eindeutig: Der Sender am Tisch gehört zum Empfänger beim Display. Für die eigentliche AV-Übertragung ist keine Konfiguration des Datennetzwerks notwendig.
Bild: Der AT-AVA-E1311-WP überträgt das HDMI-Signal über eine feste HDBaseT-Verbindung zum AT-AVA-D1311 beim Display (Quelle: Hall Research)
Diese Struktur passt zu Meeting-, Schulungs- und Konferenzräumen, deren Aufbau weitgehend konstant bleibt. Quellen, Displays und weitere Geräte befinden sich an definierten Positionen und werden im Betrieb nicht regelmässig anderen Räumen oder Anschlusspunkten zugeordnet.
Sollen mehrere Quellen verwendet werden, kann ein Umschalter vor der Übertragungsstrecke die aktive Quelle bestimmen. Müssen mehrere Displays unabhängig versorgt werden, wird die Installation durch entsprechende Verteiltechnik ergänzt. HDBaseT bleibt dabei der Übertragungsweg zwischen fest zugeordneten Endpunkten.
Bei AV over IP nimmt ein Encoder das Signal einer Quelle auf und bereitet es für die Übertragung über ein IP-Netzwerk auf. Ein Decoder empfängt den gewünschten Datenstrom und gibt ihn am angeschlossenen Display oder Projektor aus.
Quelle und Ziel sind dadurch nicht mehr über eine eigene Leitung fest miteinander verbunden. Welcher Decoder welchen Inhalt empfängt, wird über die Konfiguration festgelegt. Ein Signal kann gleichzeitig an mehrere Ausgabepunkte gesendet oder bei veränderter Nutzung einem anderen Raum zugeordnet werden.
Zusätzliche Quellen werden durch weitere Encoder, zusätzliche Ausgänge durch weitere Decoder ergänzt. AV over IP eignet sich deshalb besonders für kombinierbare Räume, gebäudeweite Verteilungen und Installationen, die schrittweise wachsen sollen.
Das Netzwerk übernimmt dabei die Funktion einer flexibel erweiterbaren Matrix. Gleichzeitig wird es zu einem festen Bestandteil der AV-Lösung: Seine Kapazität, Konfiguration und Betreuung müssen bereits während der Planung berücksichtigt werden.
AV-over-IP-Systeme unterscheiden sich vor allem darin, wie stark das Videosignal vor der Übertragung komprimiert wird.
Eine geringe Kompression hält die Verzögerung zwischen Quelle und Ausgabe sehr klein. Das ist wichtig, wenn Nutzer direkt mit dem übertragenen Inhalt arbeiten – etwa bei Videokonferenzen, Touch-Anwendungen, Kamerasystemen oder der Bedienung eines entfernten Computers. Die geringe Verzögerung geht allerdings mit einer höheren Datenrate pro Stream einher.
Eine stärkere Kompression reduziert den Bandbreitenbedarf. Dadurch können mehr unterschiedliche Signale über dieselbe Netzwerkinfrastruktur übertragen werden. Die zusätzliche Verarbeitung erhöht jedoch die Latenz. Für Digital Signage, Informationsanzeigen, Vorlesungen oder die Übertragung in Nebenräume ist eine moderate Verzögerung meist unproblematisch.
Die Wahl der Übertragung hängt daher nicht nur von der Anzahl der Geräte ab. Ebenso wichtig ist, wie unmittelbar das System reagieren muss und wie viele unterschiedliche Streams gleichzeitig durch das Netzwerk geführt werden.
Bei der Dimensionierung zählt nicht allein die Anzahl der Displays. Mehrere Decoder können denselben Stream empfangen. Kritisch wird vor allem die Zahl der unterschiedlichen Signale, die gleichzeitig über dieselben Verbindungen zwischen den Netzwerk-Switches übertragen werden.
Multicast sorgt dafür, dass ein Stream nur in jene Netzwerkbereiche gelangt, in denen er benötigt wird. Dafür muss das Netzwerk entsprechend eingerichtet sein. Moderne Netzwerk-Switches bieten hier durch vorkonfigurierte AV-Profile bereits viel Unterstützung und halten den administrativen Aufwand gering.
AV-Integrator und IT sollten deshalb frühzeitig klären, wer die Switches konfiguriert, IP-Adressen und VLANs definiert und den späteren Betrieb betreut. Eine ungeklärte Zuständigkeit führt in der Praxis häufig zu mehr Problemen als die eingesetzten AV-Geräte selbst.
Neben Video können weitere Signale die Planung beeinflussen. USB-Geräte müssen je nach Anwendung fest oder flexibel verschiedenen Hosts zugeordnet werden. Dante beziehungsweise AES67 ermöglichen eine unabhängige Verteilung von Audiosignalen über das Netzwerk. RTMP kann erforderlich sein, wenn Inhalte zusätzlich an einen Streamingdienst oder Medienserver übertragen werden sollen.
Mit wachsender Installation wird zudem die zentrale Verwaltung wichtiger. Geräte müssen eindeutig benannt, Quellen und Ziele zugeordnet, Statusinformationen überwacht und Firmware-Versionen gepflegt werden können. Das erleichtert Inbetriebnahme, Fehlersuche und spätere Erweiterungen.
Eine HDBaseT-Verbindung eignet sich, wenn Quellen und Endgeräte fest zugeordnet bleiben und ein Raum dauerhaft ähnlich genutzt wird. Der Aufbau ist klar nachvollziehbar und unabhängig von einer AV-Konfiguration im Datennetzwerk.
AV over IP passt, wenn viele Endpunkte verbunden, Signalwege regelmässig verändert oder weitere Räume und Displays später ergänzt werden sollen. Die grössere Flexibilität setzt eine passende Netzwerkinfrastruktur und eine klare Abstimmung zwischen AV und IT voraus.
Innerhalb von AV over IP entscheidet die Anwendung, ob geringe Latenz oder ein niedriger Bandbreitenbedarf wichtiger ist. Auch USB, Netzwerkaudio, Streaming und zentrale Verwaltung müssen von Anfang an berücksichtigt werden.
Ceconet unterstützt Reseller und Integratoren bei der technischen Planung von HDBaseT- und AV-over-IP-Lösungen. Gemeinsam klären wir Signalwege, Bandbreiten, Netzwerkanforderungen und Erweiterungsmöglichkeiten und stimmen die Komponenten auf die vorhandene Infrastruktur ab.