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ein interview mit flavio bossi

Starke Hardware braucht eine starke Konfiguration

«Welches Display sollen wir nehmen? Reicht ein Projektor oder soll es eine LED-Wall werden?» Mit diesen Fragen beginnen viele Gespräche bei Ceconet. Doch genau hier setzt oft der falsche Fokus an. Flavio Bossi im Gespräch über die Wichtigkeit einer guten Konfiguration.

Technisch ausgereifte AV-Produkte gibt es viele. Trotzdem entstehen in Projekten immer wieder unnötige Komplexität, Integrationsprobleme oder Budgetüberschreitungen. Für Flavio Bossi, Leiter Technik bei Ceconet, liegt die Ursache selten bei der Hardware – sondern bei der Konfiguration. Im Gespräch erklärt er, worauf Reseller bereits in der frühen Planungsphase achten sollten.

Wo entstehen deiner Erfahrung nach die meisten Probleme in AV-Projekten?

In der Konfiguration, und zwar deutlich früher, als viele denken. Die Hardware funktioniert in der Regel. Projektoren, LED-Walls, Encoder, Switches – das sind ausgereifte Produkte. Schwierigkeiten entstehen dort, wo Systeme nicht sauber aufeinander abgestimmt werden: bei Signalwegen, Netzwerktopologien, Bandbreiten oder Redundanzkonzepten.

Oft wird zuerst über ein konkretes Produkt diskutiert, bevor überhaupt klar ist, welche Anforderungen der Raum erfüllen soll. Doch die entscheidende Frage lautet nicht: Welches Gerät ist das beste? Sondern: Wie müssen Bild, Ton, Steuerung und Netzwerk zusammenspielen, damit der Raum zuverlässig funktioniert? Wenn diese Fragen erst nach der Produktauswahl betrachtet werden, wird es meist kompliziert.

Was bedeutet das für Reseller in der Praxis?

Der wichtigste Schritt ist, die Systemarchitektur vor der Geräteauswahl zu definieren. Bevor über den Projektor oder die LED-Wall gesprochen wird, sollte klar sein: Wie viele Signalquellen gibt es? Wie viele Displays? Müssen Signale flexibel geroutet werden? Sind später Erweiterungen geplant? Wird der Raum teilbar sein? Gibt es hybride Nutzungsszenarien? Wie sind Lichtverhältnisse und akustische Bedingungen?

Erst wenn diese Struktur steht, ergibt sich die passende Technologie. Die Lösung entsteht aus Raum, Nutzung und Infrastruktur.

Gibt es typische Konfigurationsfehler, die du immer wieder siehst?

Ja, drei sehen wir immer wieder. Erstens das Punkt-zu-Punkt-Denken in komplexen Umgebungen. HDBaseT funktioniert in einfachen Szenarien sehr gut. In grösseren Installationen mit mehreren Räumen oder verteilten Signalen stösst diese Struktur schnell an Grenzen. Zweitens die unterschätzten Bandbreiten: 4K, hohe Bildraten oder mehrere parallele Streams brauchen saubere Netzwerkplanung. Ohne klare Berechnung entstehen Engpässe. Und Drittens die fehlende Skalierbarkeit. Systeme werden exakt für den Ist-Zustand geplant, ohne Puffer für Erweiterungen. In allen drei Fällen fehlt die ganzheitliche Betrachtung des Systems. Einzelne Komponenten funktionieren, aber das Zusammenspiel ist nicht durchdacht.

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leiter technik und produktmanagement / mitglied der geschätsleitung

Flavio Bossi

Als Leiter Technik und Produktmanagement sowie Mitglied der Geschäftsleitung der Ceconet AG beschäftigt sich Flavio Bossi täglich mit der Frage, wie AV-Systeme nicht nur funktionieren, sondern auch wirklich zuverlässig zusammenspielen. In seiner Arbeit begleitet er Reseller bei der Planung und Umsetzung von AV- und Netzwerklösungen und kennt die Herausforderungen aus der Praxis genau. Sein besonderes Augenmerk gilt dabei der Konfiguration: Für ihn ist sie der entscheidende Faktor, damit Systeme langfristig stabil, effizient und erweiterbar bleiben.

Welche Rolle spielt AV over IP in diesem Zusammenhang?

AV over IP ist in vielen Projekten eine konsequente Antwort auf genau diese Probleme. Es erlaubt eine netzwerkbasierte Architektur statt starrer Signalstrecken. Signale können flexibel geroutet, Räume erweitert und Systeme zentral überwacht werden. Damit lassen sich neue Displays oder zusätzliche Räume über die bestehende Infrastruktur integrieren, ohne komplette Signalstrecken neu aufzubauen. Monitoring-Funktionen machen Störungen früh sichtbar, und Redundanzkonzepte erhöhen die Ausfallsicherheit. Aber auch hier gilt: Es reicht nicht, Encoder und Decoder zu bestellen. Die Switch-Struktur, VLAN-Planung, Multicast-Konfiguration und Redundanz müssen sauber definiert sein. Sonst entstehen neue Fehlerquellen. AV over IP ist also keine Produktentscheidung, sondern eine Architekturentscheidung.

Wie sollten Reseller an ein Projekt herangehen, um Konfigurationsfehler zu vermeiden?

Ich empfehle immer folgendes: zuerst muss die Nutzung definiert werden. Welche Szenarien muss das System abbilden, z.B. Präsentationen, Hybrid-Meetings, Aufzeichnung oder Streaming? Dann wird die Signalarchitektur geplant: Wie fliessen Bild und Ton? Wo werden Signale gewandelt? Wo geroutet? Anschliessend prüfen wir die Infrastruktur: Reicht das Netzwerk? Sind Redundanzen gewünscht? Wie wird überwacht? Was sind die Sicherheitsstandards, die eingehalten werden müssen? Erst danach sollten konkrete Produkte festgelegt werden. Diese Reihenfolge verhindert, dass Technik später „passend gemacht“ werden muss, statt von Anfang an passend konfiguriert zu sein.

Ein oft unterschätzter Punkt ist der Installationsaufwand. Gehört das auch zur Konfiguration?

Unbedingt. Eine LED-Wall kann technisch ideal sein, bringt aber erheblichen Montage- und Justierungsaufwand mit sich. Systeme wie das dvLED Connect IT von Vogel’s erleichtern die präzise Installation deutlich, dennoch bleibt der mechanische Aufwand höher als bei Projektor–Lösungen. Das bedeutet: Die Hardware ist nur ein Teil der Investition. Montagezeit, Logistik, bauliche Anforderungen und Justierung beeinflussen das Gesamtbudget erheblich. Gute Konfiguration bedeutet deshalb auch: Mechanik, Logistik und Budget in die Architekturentscheidung einzubeziehen. Hardwarepreise allein sind keine belastbare Entscheidungsgrundlage.

Was ist dein wichtigster Rat für Reseller?

Nicht in Produkten denken, sondern in Systemen. Eine saubere Konfiguration reduziert Supportaufwand, vermeidet spätere Umbauten und schafft Vertrauen beim Endkunden. Am Ende entscheidet nicht, welches Gerät verbaut wurde, sondern ob das Gesamtsystem stabil, flexibel und nachvollziehbar aufgebaut ist. Und das ist immer eine Frage der Konfiguration.

Über Ceconet

Ceconet ist Distributor und Systempartner für AV-, IT- und Netzwerktechnik. Wir unterstützen AV-Reseller bei der Auswahl, Konfiguration und Umsetzung technisch durchdachter Systemlösungen – von einzelnen Komponenten bis hin zu komplexen, vernetzten Infrastrukturen.

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